Von Wien ist die Wachau ein Vormittag mit der Bahn, kein „Ausflug in die Toskana“, wie es Folder gern formulieren. Krems als Knoten, dann zu Fuß oder mit dem Rad den Fluss entlang. Das Rad ist hier Werkzeug, nicht Sportgerät. Wer Rennlenker erwartet, unterschätzt den Gegenwind und die Ausflugsschiffe.
Dürnstein ist schön und deshalb voll. Wir gehen durch, bleiben aber nicht zum Mittag am meistfotografierten Fenster. Ein Ort weiter: dieselben Terrassen, weniger Stative. Der Wein ändert sich alle paar hundert Meter, weil der Stein sich ändert. Das kann man schmecken, wenn man nicht den ersten Spritzer nimmt, der auf der Karte fett gedruckt ist.
Der erste Heuriger an der Bundesstraße bedient den Hunger. Der zweite oder dritte bedient den Wein.
Melk: ja, das Stift ist ein Satz aus Stein. Man muss ihn nicht als Pflicht ableisten, bevor der Tag beginnen darf. Manchmal reicht der Blick vom Zugfenster, und der Tag gehört dem Hang. Apricot — Marille — ist hier keine Marmeladenpoesie, sondern Ernte. Im Juli hängt sie in den Gärten, und die Kuchen in den Kästen lügen seltener.
Wanderwege über den Weinbergen sind Steige mit Aussicht, keine Alpintour. Gutes Schuhwerk trotzdem: Kalk, Schotter, ein Traubenlese-Traktor, der nicht für Sie gebremst hat. Wasser mitnehmen. Die Heurigen öffnen nicht für Ihren Durst um halb elf.
Zurück nach Wien: der Zug am Abend ist voller Leute, die denselben Fluss gesehen haben. Setzen Sie sich auf die Donauseite. Das Licht ist dann ehrlicher als um zwölf.