Praxis · was nach Arbeit schmeckt

Semmel, Schmalz, ein kleiner Brauner

Die österreichische Küche ist kein Kostüm. Sie ist eine Reihenfolge: Brot, Suppe, etwas, das den Nachmittag trägt, Kaffee, der nicht nach Sirup riecht.

Tasse Kaffee
Braunerohne Sahnetheater
Frisches Brot
Krusteam Morgen
Käse auf einem Brett
Käse, der nach Keller darfkein Brunch-Brett

In Wien bestellt man einen Kleinen Braunen, keinen „Espresso with milk, but like, local“. Die Sprache ist kurz, die Tasse auch. Wer stundenlang sitzt, darf das. Wer die Bedienung hetzt, hat das Haus nicht verstanden. Zeitung, Zucker, ein Glas Wasser, das von selbst kommt — das ist die Kultur, nicht der Samt am Sessel.

Auf der Hütte zählt die Suppe. Frittaten, Gerste, etwas, das dampft. Das Schnitzel im Tal kann warten. Oben ist Kalorienphysik, keine Speisekarte mit Herkunftsroman. Kaiserschmarrn nach dem Abstieg, nicht als Belohnung-Fototermin in der Mitte des Steigs.

Schmalzbrot ist keine Provokation. Es ist eine Jause, die den Rucksack nicht beschwert und den Kopf klar lässt.

Was wir meiden

„Alpen-Brunch“ mit zwölf Gläsern und einer Beere, die den Flug gesehen hat. Mozartkugeln als Mittagessen. Weißwurst-Logik, die Bayern hierherträgt, als wäre die Grenze ein Buffet. Und Lokale, in denen die Speisekarte glänzt, das Fleisch aber nicht.

Stattdessen: das Beisl mit handgeschriebener Tageskarte. Der Heuriger, der erst aufmacht, wenn die Arbeit im Weingarten ruht — Wachau. Der Käse in Vorarlberg, der nach Alm schmeckt, weil er dort war. In Kärnten die Nudel, deren Falte noch von Fingern kommt.

Trinken: Leitungswasser in Wien ist kein Kompromiss. In den Bergen die Flasche, die man selbst trägt. Sturm im Herbst, wenn die Zeit ihn erlaubt, und dann nicht mehr den Steig.